Planbare Einnahmen als Videograf oder Fotograf bekommst du über Retainer-Kunden: Unternehmen, die dich jeden Monat bezahlen, statt nur einmal für ein Projekt. Dafür brauchst du vier Dinge: die richtigen Kunden, ein Angebot, das sich als Retainer verkaufen lässt, einen Weg, diese Kunden zu finden, und eine Art, sie abzuschließen, die ihnen das Risiko nimmt.
Wenn du das umsetzt, gewinnst du Kunden, die dir 2.000, 3.000 oder sogar 5.000 € im Monat zahlen. Und zwar jeden Monat. Genau so bauen sich viele meiner Kunden ein Business auf, das ihnen 10.000 € im Monat oder mehr bringt. In diesem Artikel gehe ich die vier Schritte mit dir durch.
Warum Retainer der Weg zu planbaren Einnahmen sind
Solange du nur einzelne Projekte verkaufst, fängst du jeden Monat bei null an. Ein Retainer dreht das um. Ein Kunde zahlt dir 2.500 € im Monat, aufs Jahr gerechnet sind das 30.000 €. Gewinnst du jeden Monat nur einen einzigen solchen Kunden dazu, bist du schnell bei einem Business, das dir mehrere hunderttausend Euro im Jahr bringt.
Das ist der Grund, warum ein einziger neuer Kunde pro Monat bei Retainer-Paketen so viel ausmacht. Du musst nicht ständig neue Aufträge jagen. Jeder Kunde, der bleibt, baut auf dem auf, was du schon hast.
Welche Kunden eignen sich für einen Retainer?
Nicht jeder Kunde will oder braucht dich jeden Monat. Achte auf diese drei Punkte.
1. Der Kunde hat ein langfristiges Ziel
Ein Unternehmen, das einmal einen Mitarbeiter einstellen oder kurz seine Marke nach vorne bringen will, ist kein Retainer-Kunde. Du suchst Unternehmen, die sagen: Ich will langfristig mehr Reichweite, mehr Kunden, mehr Mitarbeiter, mehr Vertrauen aufbauen, online bekannter werden. Für langfristige Ziele braucht man langfristige Maßnahmen. Und genau die verkaufst du.
2. Der Kunde hat kein oder nur ein kleines Team für Content
Im besten Fall ist dein Kunde auf dich angewiesen. Vielleicht hat er ein Marketing-Team oder einen Social Media Manager, aber niemanden, der Fotos und Videos produziert. Oder es gibt in der Firma noch gar niemanden, der das mit ihm umsetzt.
Dann bist du für ihn extrem wichtig. Und der Kunde hat einen Vorteil: Er muss niemanden einstellen. Keine Lohnsteuer, keine Mitarbeitergespräche. Er nimmt einfach dich und weiß, er hat den Experten.
3. Der Kunde verkauft etwas Hochpreisiges
Wenn du für ein Sportgeschäft Social Media machst, das Socken für 5 € verkauft, muss es tausende Socken verkaufen, nur um dein Honorar wieder reinzuholen. Das funktioniert nicht. Konzentrier dich auf Unternehmen, die pro Kunde einen hohen Gewinn machen.
Gute Beispiele sind:
- Autohäuser und Autohändler
- Immobilienmakler
- Ärzte, aber nicht der Hausarzt, sondern zum Beispiel plastische Chirurgen mit teuren Eingriffen
- Berater, zum Beispiel IT-Consultants
- Tätowierer mit hochpreisigen Arbeiten
Langfristiges Ziel, kein eigenes Content-Team, ein teures Produkt oder eine teure Dienstleistung: Wenn diese drei Dinge zusammenkommen, hast du einen guten Retainer-Kunden.
Welche Retainer-Angebote funktionieren 2026?
Es gibt vor allem drei Angebotsarten, die sich gerade sehr gut als Retainer verkaufen lassen. Bei allen gilt: Verkauf das Endergebnis, nicht die Leistung. Nicht "Ich mache Social Media", sondern "Ich bringe dir Kunden", "Ich bringe dir Mitarbeiter" oder "Ich bringe dir Anfragen".
1. Social Media, um Kunden zu gewinnen
Kunden über Social Media zu gewinnen geht nicht in zwei oder vier Wochen. Die Marke muss langfristig Content bekommen, Interaktionen müssen gepflegt werden. Genau deshalb passt es so gut als Retainer.
Du hilfst deinem Kunden zum Beispiel dabei, Reels zu scripten, zu produzieren, zu schneiden und zu posten, dazu YouTube-Videos oder Podcasts. Wichtig ist der Fokus: Es geht nicht darum, zwei Videos abzuliefern, die gepostet werden, und dann bist du raus. Du hast das Endziel deines Kunden im Kopf, nämlich mehr Kunden, und tust alles in deiner Macht Stehende, um ihm dabei zu helfen.
2. Employer Branding, um Mitarbeiter zu gewinnen
Auch das läuft über Social Media, aber mit einem anderen Ziel: neue Mitarbeiter. Unternehmen, die wachsen wollen, brauchen nicht einen Mitarbeiter, sondern mehrere. Also überlegst du dir Strategien, wie die Firma Reichweite bekommt, wie man das Team zeigt, die Werte darstellt und die Company cool präsentiert.
Gerade alteingesessene Firmen, zum Beispiel aus dem Handwerk, kann man online richtig gut darstellen, sodass sie deutlich mehr Bewerber bekommen.
3. Werbeanzeigen schalten, um Leads zu gewinnen
Die dritte Sache ist durch KI heute sehr gut umsetzbar: Du schaltest für deine Kunden zusätzlich Anzeigen, um Anfragen zu gewinnen. Vielleicht denkst du jetzt: Das habe ich noch nie gemacht, das ist zu schwer für mich. Ich kann dir sagen, es ist heute 100 Mal einfacher geworden. Du kannst zum Beispiel dein Meta-Konto mit Claude verbinden, und Claude kann dich beraten und sehr viel für dich übernehmen.
Viele meiner Kunden haben vorher noch nie in ihrem Leben eine Anzeige geschaltet. Ein paar Wochen später liefern sie das für ihre eigenen Kunden und nehmen dafür 2.000 € im Monat.
Wie findest du Retainer-Kunden?
Bevor du startest, stell dir eine ehrliche Frage: Willst du eher Zeit investieren oder Geld? Denn Leads kannst du selbst finden, manuell oder mit KI, oder du bezahlst für sie. Es gibt drei Wege.
Weg 1: Content für eine Zielgruppe
Content ist der sicherste Weg, kostet dich aber Zeit. Und er funktioniert nur, wenn du in deinem Content einen bestimmten Kunden ansprichst. Willst du Hotels als Kunden, musst du Content über Hotels machen: ihre Probleme ansprechen, ihnen Mehrwert geben.
Das machen die wenigsten Creator. Die meisten posten schöne Bilder und Videos aus dem Urlaub, von Models oder von Dingen, die sie selbst cool finden. Das gefällt vielleicht anderen Creatorn, aber deine Zielgruppe fühlt sich null angesprochen. Deshalb bringt dir dieser Content keine Kunden.
Wenn dir Leute aus deiner Zielgruppe folgen, kannst du den ersten Kontakt mit einem Tool wie ManyChat automatisieren. Zum Beispiel bekommt jeder neue Follower eine automatische Nachricht, oder das Tool übernimmt den Anfang des Chats. Ich würde ManyChat nicht das komplette Gespräch übernehmen lassen, aber den Start.
Weg 2: Leads mit KI finden
Dieser Weg kostet auch Zeit, geht aber deutlich schneller. Leads einzeln online zu suchen, zu finden und anzuschreiben, dauert ewig. Das brauchst du 2026 nicht mehr. Mit Tools wie Phantombuster, Clay, Ocean AI oder Apollo findest du Leads automatisiert und kannst sie kontaktieren.
Auch hier brauchst du eine Nische. Wenn du keine Branche hast, weißt du gar nicht, nach welchen Leads du suchen sollst.
Weg 3: Bezahlte Werbung mit eigener Landingpage
Das ist meine Lieblingsstrategie. Dafür musst du aber ein paar Dinge richtig machen. Erstens musst du wissen, wie Werbung funktioniert. Zweitens kostet sie erst mal Geld. Keine hunderttausend Euro, aber ein paar hundert bis ein paar tausend Euro, um solche Kunden zu gewinnen. Dafür ist der Hebel deutlich größer, als wenn du nur Content postest und wartest, bis sich jemand meldet.
Der häufigste Fehler, den ich sehe: Foto- und Videografen schalten Anzeigen und schicken die Leute auf ihre normale Website. Die meisten dieser Seiten sind verkaufspsychologisch nicht gut aufgebaut, zeigen keine Case Studies und bauen kaum Vertrauen auf. Sie zeigen die Arbeit, und das war's.
Für Retainer-Kunden brauchst du eine eigene Landingpage, die ein ganz bestimmtes Problem und eine ganz bestimmte Person anspricht. Ein allgemeiner Claim reicht nicht. Auf meiner eigenen Seite, über die ich gerade Leads für 10 € am Tag gewinne, gibt es genau eine Sache, die man tun kann: das Formular ausfüllen. Nichts anderes. Genau so sollte dein Angebot auch aussehen. Sprichst du Autohäuser an, ist dein Angebot ein Retainer für Autohäuser mit einem klaren Ergebnis.
Die Wege kombinieren
Du kannst die Strategien auch verbinden. Du postest Content, schaust, welcher Beitrag gut läuft, und schaltest darauf günstige Anzeigen, nur um Reichweite zu bekommen. Die neuen Follower oder die Leute, die kommentieren, schreibt ManyChat automatisch an. So findest du sehr schnell Leads für deine Retainer-Angebote.
Wie schließt du Retainer-Kunden ab?
Versetz dich in deinen potenziellen Kunden. Er hat meistens ein Vertrauensproblem. Er ist nicht sicher, ob du das Ergebnis liefern kannst. Vielleicht hat er so etwas schon mal ausprobiert und keine Lust, sich wieder für zwölf Monate festzulegen. Deshalb gehe ich in vier Schritten vor.
- Starte mit einem kleinen Einstiegsangebot. Verkauf kein Zwölf-Monats-Paket an Leute, die dich noch nicht kennen, vor allem nicht, wenn sie über Anzeigen gekommen sind. Mach stattdessen zum Beispiel ein Drei-Monats-Angebot, das so attraktiv ist, dass das meiste Risiko weg ist. Die meisten Geschäftsführer haben keine Zeit und keine Lust, ständig vor der Kamera zu stehen. Also bietest du einen einzigen Drehtag an, an dem der gesamte Content für drei Monate entsteht, und kümmerst dich um alles: Ideen, Skripte, Schnitt, Posting. Du kannst den Umfang in den ersten Monaten auch kleiner halten und damit den Preis senken.
- Mach dein Angebot so klar wie möglich. Sieh es wie eine Zielscheibe. Je klarer dein Angebot auf der Landingpage steht, desto mehr Leute kaufen. Zum Beispiel: "In drei Monaten stellen wir sicher, dass diese Stelle bei dir besetzt ist. Wir machen das mit Content und Kampagnen. Hat es in drei Monaten nicht geklappt, arbeiten wir weiter, bis es funktioniert." Damit ist das Risiko für den Kunden weg, die Hürde ist klein, und jeder versteht, worum es geht.
- Trau dich, Ergebnisse zu versprechen. Es bringt nichts, wenn du immer denkst: Ich weiß ja nicht, ob es klappt. Besser wirst du nur, wenn du dich festlegst, alles lernst, was du wissen musst, und es umsetzt. Während du das tust, lernst du weiter, und von diesen Learnings profitieren deine Kunden.
- Verkauf nichts unter 1.500 € im Monat. Mit Paketen für 500 € ziehst du keine hochpreisigen Kunden an, mit denen die Zusammenarbeit Spaß macht. Und du hast irgendwann nicht genug Gewinn, um zu wachsen. Dann hast du drei, vier Kunden, kannst keine neuen annehmen, und wenn einer mal nicht zahlt, wird es eng.
„1.500 € im Monat ist eine magische Grenze, unter die ich nicht gehen würde.“
Jascha Osterhaus
Wenn dir 1.500 € viel vorkommen, lieferst du deinen Kunden wahrscheinlich noch keine großen Ergebnisse. Hilfst du einem Kunden, jeden Monat neue Aufträge zu gewinnen oder Mitarbeiter einzustellen, sind 1.500 € im Monat nicht viel.
Sobald ein Kunde einmal bei dir gekauft hat, dich kennt, sich an die Zusammenarbeit gewöhnt hat und zufrieden ist, verkaufst du ihm danach viel leichter ein Zwölf-Monats-Paket. Das sehe ich bei mir selbst: Viele sagen am Anfang, sie hätten schlechte Erfahrungen mit Coaching gemacht und wollen erst mal klein starten. Danach merken sie, dass ihre Sorgen unbegründet waren, und verlängern immer wieder.
Kundenbeispiele: So sehen planbare Einnahmen in der Praxis aus
Einige meiner Kunden verkaufen Retainer-Pakete an Hotels. Darin steckt ein Drehtag pro Monat für Content, manchmal schalten sie zusätzlich Anzeigen. Dafür nehmen sie 4.000 bis 5.000 € im Monat. Schließen sie das auf ein Jahr ab, ist das ein Auftrag über 40.000 bis 50.000 €. Mit einem einzigen Kunden verdienen sie so viel wie früher in ihrem Hauptjob und arbeiten dafür ein, maximal zwei Tage die Woche.
Andere Kunden haben vorher nie Anzeigen geschaltet. Heute machen sie das für ihre Kunden und nehmen 2.000 € im Monat pro Kunde. Mit zwei, drei solcher Kunden hast du das Einkommen eines Vollzeitjobs und brauchst dafür vielleicht fünf Stunden pro Woche.
„Ein Retainer über 2.000 bis 3.000 € im Monat ist heute nichts Besonderes mehr, wenn du verstehst, wie man es umsetzt.“
Jascha Osterhaus
Manche meiner Kunden schließen jede Woche Aufträge über 20.000, 30.000 oder 40.000 € ab, einige nehmen 10.000 bis 20.000 € im Monat von einem Kunden. So hat natürlich keiner angefangen. Aber es zeigt, was mit Retainern möglich ist.
Dein nächster Schritt
Such dir eine Zielgruppe mit langfristigem Ziel, ohne eigenes Content-Team und mit einem teuren Produkt. Entscheide dich für eines der drei Angebote, Kunden, Mitarbeiter oder Leads, und verkauf das Ergebnis. Bau dafür eine eigene Seite mit genau einem Angebot und such deine Kunden über Content, KI oder Anzeigen. Starte mit einem kleinen Einstiegspaket, liefer mehr als versprochen und verkauf danach die Jahreszusammenarbeit.
Häufige Fragen
Wie bekomme ich als Videograf planbare Einnahmen?
Über Retainer-Kunden, die dich jeden Monat bezahlen. Such dir Unternehmen mit langfristigem Ziel, ohne eigenes Content-Team und mit hochpreisigen Produkten oder Dienstleistungen, und verkauf ihnen ein klares Ergebnis wie mehr Kunden, mehr Mitarbeiter oder mehr Anfragen.
Was ist ein Retainer für Fotografen und Videografen?
Ein Retainer ist eine laufende Zusammenarbeit, bei der dein Kunde dir jeden Monat einen festen Betrag zahlt. Du lieferst dafür zum Beispiel regelmäßig Content, baust seine Arbeitgebermarke auf oder schaltest Anzeigen für ihn.
Wie viel sollte ein Retainer für Videografen kosten?
Ich würde nicht unter 1.500 € im Monat gehen. Darunter ziehst du die falschen Kunden an und hast irgendwann zu wenig Gewinn, um zu wachsen. Retainer über 2.000 bis 3.000 € im Monat sind heute normal, im Hotelbereich nehmen meine Kunden 4.000 bis 5.000 €.
Welche Branchen eignen sich für Retainer-Kunden?
Branchen mit hohem Gewinn pro Kunde, zum Beispiel Autohäuser, Immobilienmakler, Ärzte mit teuren Eingriffen wie plastische Chirurgen, Berater und IT-Consultants oder Tätowierer. Auch Hotels und alteingesessene Handwerksbetriebe, die Mitarbeiter suchen, passen gut.
Soll ich direkt ein Zwölf-Monats-Paket verkaufen?
Nein, nicht an Leute, die dich noch nicht kennen. Starte mit einem attraktiven Angebot über drei Monate, nimm dem Kunden das Risiko und liefer mehr als erwartet. Wenn er zufrieden ist, verkaufst du ihm danach viel leichter die Zusammenarbeit über ein Jahr.